Die feurigen Binkerl


Eine Sage aus dem zwanzigsten Jahrhundert


Noch vor nicht sehr langer Zeit war es, dass ein Bauer aus Pillersdorf hin und wieder zu den Abhängen des Manhartsberges hinauffuhr, um Holz zu machen und heimzuholen. Dabei hatte er, als er einmal in die weite Talebene des Füllbaches gelangt war, das Gefühl, dass ihm jemand folgte. Er konnte aber niemand sehen. Diese Wahrnehmung wiederholte und verstärkte sich bei jeder Fahrt, bis er einmal an einem trüben Tag kleine schattenhafte Gestalten hinter seinem Fuhrwerk herschweben sah.
Diese Wesen hatten das Aussehen von zusammengeknüpften Tüchern, sogenannten Binkerln, wie sie in früheren Zeiten die Wanderer zur Mitnahme ihrer Habseligkeiten gebrauchten. Und es schien auch, als würden diese Bündel von unsichtbaren Trägern in Händen gehalten oder an einem Stock über der Achsel getragen werden, wie sie im Auf und Ab bedächtigen oder eiligen Schrittes dahinschwankten und -hüpften. So begleitete der seltsam-unheimliche Zug das Pferdegespann bis zum ersten Anstieg auf die bewaldeten Höhen. War aber auf seinem Heimweg bereits die Dunkelheit hereingebrochen, dann glühten diese Kobolde in einem schwachen Lichtschein, so dass sie dem Fuhrmann mehr wie trübe Flämmchen oder glimmende Lampen vorkamen, und folgten ihm bis in die Gegend der Remise oder des Fasangartens, wo sie sich auflösten und erloschen.
Dem Bauern wurden seine Begleiter im Lauf der Jahre vertraut und er war bald überzeugt, dass es arme, unerlöste Seelen waren, die gerade von ihm eine Erleichterung ihrer Nöte erhofften und erwarteten. Und so beschloss er, an der Stelle, wo sich der Weg von seinem Heimatort bergab nach Schrattenthal wandte, eine kleine Kapelle zu errichten. Diesen Plan setzte er dann auch im hohen Alter noch in die Tat um. Ob seitdem noch anderen Wanderern oder Fuhrleuten derartige Erscheinungen begegnet sind, ist weiter nicht bekannt.