Der Schmied und die Nixen


Eine Sage aus Pillersdorf, aufgezeichnet von Helmut Korherr.


Bei Frauendorf im Schmidatal war vielen hundert Jahren ein großer See. In seiner Tiefe lebte ein Wassermann mit seinen vier schönen Töchtern. Das schönste an ihnen waren aber ihre langen Haare, in die sie sich wie in einen Mantel hüllen konnten. Die eine war blond, die andere schwarz, die dritte braun und die vierte hatte fuchsrotes Haar. In jeder Vollmondnacht, wenn kleine Luftbläschen auf dem ruhigen Wasserspiegel verrieten, dass der Vater fest schlief und schnarchte, verwandelten sich die vier Mädchen in Pferde. Sie verließen als Schimmel und Rappe, als Brauner und Fuchs ihr nasses Heim und galoppierten ausgelassen über das weite Land. Die Leute in den Dörfern, wenn sie den nächtlichen Hufschlag hörten, sagten dann, daß die Wilde Jagd wieder ihr Unwesen treibe.
Von Zeit zu Zeit mußten die vier übermütigen Nixen ihre Hufe neu beschlagen lasser. Dazu trabten sie zu dem besten Hufschmied weit und breit, und der war damals in Pillersdorf zu Haus. Der Schmied wunderte sich nicht über die rätselhaften Pferde, die ihn da manchmal zu mitternächtlicher Stunde weckten. Als Lohn für seine Arbeit hatte er auch jedes Mal vier kostbare Perlen auf seinem Amboß vorgefunden, und so gab er niemals etwas von seinem Geheimnis preis.
Einmal war die Zeit des Beschlagens wieder gekommen, doch der Schmied hatte am Abend zuvor zu tief ins Glas geschaut, und so mussten die vier Rosse lange fest auf den Boden stampfen, bis er sie hörte. Mit brummendem Schädel stolperte er mürrisch daher und machte sich schlaftrunken ans Werk. Er strich nicht wie sonst den Stuten sanft über die Mähnen, er streichelte sie nicht und sprach nicht freundlich mit ihnen, sondern benahm sich derb und roh. Zum Überfluss erwischte er noch einen Hufnagel, der zu lang war. "O weh, meine Flosse!" schrie da das fuchsfarbene Pferd auf. Ohne ein Wort der Entschuldigung machte der Schmied den Fehler gut, beendete seine Arbeit und fiel wortlos wieder in sein Bett.
Seit diesem Vorfall bestürmten die Mädchen den alten Wassermann, doch fortzuziehen in eine andere Gegend. Sie bettelten so lang, bis ihr Vater nachgab, und im nächsten Frühling, als die Schneeschmelze das Tal in einen breiten Fluss verwandelte schwamm das ganze Nixenvolk die Schmida abwärts bis in die Donau. Der See trocknete aus, weil ein Mann vergessen hatte, dass Frauen zu jeder Tageszeit aufmerksam und sanft behandeln werden wollen, und die Wassergeister verschwanden aus unserer Gegend.